Tausend und ein Knoten

„Schön auf dem Teppich bleiben!“ lautet heute meine Devise. Im Nahen und Mittleren Osten sorgen Teppiche schon seit Jahrhunderten für Behaglichkeit und Wohnkomfort. Aber nicht nur das: Sie sind Ausdruck orientalischer Lebensweise, Kultur und Tradition. Lange Zeit waren sie sogar der wichtigste Besitz einer Familie. 330 v. Chr. brachte Alexander der Große Orientteppiche erstmals von seinen Asienfeldzügen mit ins Abendland. Seit dem sind die farbenfrohen Teppiche aus 1000 und einer Nacht auch in der westlichen Hemisphäre ein gefragtes Wohnaccessoire. Es gab allerdings auch schlechte Zeiten für die schönen Läufer. Diese haben nun ein Ende.

photos by pernille vest for elle decoration uk.

Handgewebte, in Pflanzenfarben leuchtende „Perser“, wie abgetragen auch immer, waren weit über die Grenzen des Morgenlandes hinaus Symbol von Luxus, Reichtum und Behaglichkeit. So lange bis in den 60er und 70er Jahren die maschinell gewebten (falschen) „Perser“ zum Inbegriff spießbürgerlicher Wohnkultur wurden. Glücklicherweise verblasst dieser schlechte Ruf langsam aber sicher wieder. Genauso sicher wie das Muster eines Billigteppichs in der Sonne verblasst. Orientteppiche werden also wieder salonfähig. Kehren zurück in unsere Wohnzimmer. Bereichern erneut unsere Wohnwelten mit morgenländischen Charme und sorgen für einen herrlich bunten Stilmix. Was wäre es auch für eine Verschwendung diese wunderschönen Einrichtungsobjekte weiterhin mit Verachtung zu strafen. Mir gefallen sie nämlich sehr gut, diese Farbwunder.

Knoten um Knoten Luxusprodukt

Schon früh bereicherten Orientteppiche die Interieurs der gut betuchten europäischen Bevölkerung. Hinweise dafür gibt es auf zahlreichen historischen Gemälden. Unter anderem von Hans Holbein dem Jüngeren, Lorenzo Lotto oder Jan Vermeer . Als 1683 das Türkenheer vor Wien geschlagen wurde, fielen den Siegern zahlreiche Teppiche als Kriegsbeute in die Hände. Sie sind heute noch in vielen Museen weltweit zu bewundern.

Im zentralasiatischen Raum entwickelte sich eine besondere Art der Teppichproduktion, die Knüpfkunst. Im Gegensatz zum Weben ist das Knüpfen kompliziert. Im Zuge der Völkerwanderung verschiedener Turkstämme drang die Knüpfkunst in den Mittelmeerraum bis in die Türkei vor. Geknüpfte orientalische Teppiche sind sehr viel stabiler und belastbarer als gewebte Teppiche. Aus diesem Grund galten Knüpfteppiche bereits in der Antike als ein absolutes Luxusprodukt. Und wie es scheint, lernen auch wir sie wieder zu schätzen. Die folgenden Bilder zeigen deutlich, welche Wirkung diese Teppiche, umgeben von Designklassikern des 20. Jahrunderts, erzeugen.

Orientteppich - parisnightsandnewyorklights

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Perserteppich - sfgirlbybay

Perserteppich - seventy nine ideasPerserteppich - emsedge

Perserteppich - hannasroom

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Orientteppich

Perserteppich - cocolapinedesign

Unter so einem Teppich kann man unten Umständen ohne großen Aufwand ungeliebten Lenoliumfußböden verschwinden lassen. Genau das strebe ich an. Zumindest so lange, bis ich mir klar darüber bin, ob es sich für mich nicht doch lohnt neuen Boden zu verlegen. Leider sind große Orientteppiche sehr teuer. Ich habe das Glück einen wirklich großen aus unserem Familienbesitz übernehmen zu können. Ein Glückstreffer für mich. Was haltet ihr von dieser Trendewende? Wäre das auch eine Oprtion für euch oder bleiben Orientteppiche für euch spießige Staubfänger, die ihr besten Zeiten hinter sich haben?

8 Kommentare zu “Tausend und ein Knoten”

  1. Hallo Anna!

    Ich finde die Renaissance des Orientteppichs wirklich spannend – allerdings könnte ich mir derzeit nicht vorstellen, dass so ein Exemplar in naher Zukunft bei und einzieht. Gut gefallen mir so helle und frische Exemplare wie auf dem drittletzten Foto von unten. Freue mich schon auf die ersten Bilder deines Erbstückes in der neuen Wohnung!

    Alles Liebe!

    1. Hallo Giovanna,

      die Renaissance des Orientteppichs. Das hast du schön formuliert. Warum bin ich da nicht drauf gekommen? Wäre eine schöne Headline gewesen. Verflixt. 😀 Aber du hast völlig recht: Für diesen Stilmix ist entweder ein helles Teppichexemplar nötig oder eben eine helle Wohnung und helle Möbel. Ich bin selbst gespannt wie es dann bei mir aussehen wird. Ich hoffe natürlich fantastisch.

      Liebste Grüße! (Ich hoffe ja, dass wir uns in Hamburg treffen … 😉 )

  2. Einfach traumhaft! Du kannst wirklich von Glück reden, dass du so ein Traumexemplar übernehmen darfst! Ich finde den Stilmix von modernen, schlichten Möbeln und Orientteppichen einfach wundervoll und würde mir nur zu gerne einen gönnen. Aber man muss ja auch noch träumen können 😉
    Besonders gefällt mir allerdings auch die liebliche Variante des Orientteppichs. Viele sind in rot gehalten, was nicht grad meine Farbe ist und – wie ich finde – auch etwas schwer wirkt. Deshalb doch lieber etwas frischeres in rosé oder z.B. hellem Blau.
    Auf jeden Fall finde ich deinen Beitrag mal wieder super, danke für die vielen Hintergrundinformationen. Ein attraktiver Artikel mit Qualität!
    Liebste Grüße 🙂

  3. Hi Anna,
    deine Inspirationen sehen wirklich toll aus! Auf dem Speicher meiner Oma liegen noch einige Orientteppiche. Vielleicht teste ich das jetzt doch mal aus! Drumherum sollte es dann etwas dezenter zugehen..
    Liebe Grüße
    Elena

  4. Wunderschön!! In meiner Familie gibt es mehrere Teppich-Liebhaber und mittlerweile weiß ich diese Schönheiten zu schätzen. Allerdings finde ich es immer ein bisschen schade, wenn der Fokus nicht auf den orientalischen Stücken liegt – ich finde sie haben das Rampenlicht verdient. Bei Deiner Bildauswahl sind sie perfekt integriert und treten optisch in den Vordergrund ohne dass sie überhand nehmen. Die Kombination aus Holz, Licht und Teppichen macht ein gelungenes Wohnklima aus!

    lG, Rotzi

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